Askese und (Opfer-)Rituale in Griechenland: Zwei Welten im Zusammenstoß?

  • Termin: Mi., 08. November 2017, 18:00 Uhr
  • Leitung: Prof. Dr. Jürgen Manemann
  • Ort: fiph, Gerberstr. 26, Hannover
Fellow-Vortrag III: Dr. Antonio Lucci (Berlin)

Oft wird der Begriff ‚Askese‘ mit der Trias „Armuth, Demuth, Keuschheit“ gleichgesetzt, wie es bereits Friedrich Nietzsche in Zur Genealogie der Moral deutlich zum Ausdruck gebracht hat. Kasteiung, Entbehrung und Enthaltsamkeit sind im allgemeinen Verständnis Attribute, die man der Askese als Praktik der Selbstaufopferung immer wieder zugeschrieben hat. Der Asket opfere sich nach dieser Auffassung selbst für das Erreichen einer transzendenten, höheren Realität auf. Ausgehend von einer Reaktualisierung der ursprünglichen Bedeutung des griechischen Wortes ‚Askese‘ (als ‚Übung‘) zielt der Vortrag auf eine alternative Interpretation des Konzeptes hin. Die Askese als Praxis der Subjektivierung soll mit dem Opferritual verglichen werden, um die unterschiedlichen Strukturen der zwei religiösen Handlungen aufzudecken.

 

Dr. Antonio Lucci ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin. Im Sommersemester 2016 hat er die Professur für „Kulturtheorie und kulturwissenschaftliche Ästhetik“ an der Humboldt Universität vertreten. Davor war er als Post-Doc Forscher am Excellence Cluster Topoi tätig. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Philosophie der Technik, die Verbindungen zwischen Oikonomia und Askese sowie die Geschichte der italienischen Philosophie und der Kulturwissenschaften. Zurzeit habilitiert er zum Thema „Askese als Subjektivierungsstrategie“ am Institut für Kulturwissenschaft der HU Berlin.