Für die Wahrheit einstehen. Wahrsprechen unter Bedingungen der Endlichkeit bei Foucault und Cavell

  • Termin: Mi., 19. Juni 2024, 19:00 Uhr
  • Leitung: Prof. Dr. Jürgen Manemann
  • Ort: Gerberstraße 26 und online via Zoom

Vortrag: Hannah Wendt

Im Rahmen seiner Analysen antiker Lebensformen wendet sich Michel Foucault ab 1982 – in den Jahren unmittelbar vor seinem Tod – der Frage der Wahrheit zu. Die Form, in der dieses Problem bei ihm in den Blick kommt, läuft jedoch quer zu den traditionellen Problemstellungen der Erkenntnistheorie und impliziert diesen gegenüber eine aufschlussreiche Perspektivverschiebung. Was Foucault in den Blick nimmt, sind die Formen des wahren – beziehungsweise des mutigen und freimütigen – Sprechens, die in der Antike als „Parrhesia“ bezeichnet wurden. Im Lichte dieser antiken Wahrheitspraxis transformiert sich die Frage der Wahrheit unversehens in eine ethische Problematik.

Bei dieser Perspektivierung handelt es sich nicht lediglich um eine Einsicht mit Bedeutung für die historische Forschung. Sie hat Bedeutung für das Verhältnis des Subjekts zur Wahrheit und mithin zu sich selbst. Mit Stanley Cavells Wittgenstein-Lektüre in The Claim of Reason lässt sich argumentieren, dass die Perspektivierung des Wissens unter dem Gesichtspunkt der Ethik selbst ethische Bedeutung hat. Es zeichnet sich dabei ein Szenario ab, in dem das Subjekt selbst, als Lebensform, für sein Wissen einzustehen hat. Der Vortrag möchte diesen in beiden Analysen auftauchenden Aspekt als ein Charakteristikum endlichen Nachdenkens über Wahrheit nachvollziehen.

 

Hannah Wendt M.A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover. Ihr Forschungsinteresse gilt der Ästhetik und Philosophien der Praxis sowie deren Potenzial zu einer Kritik neuzeitlicher Rationalität. Derzeit forscht sie zu den ethischen, politischen und erkenntnistheoretischen Implikationen der Verschränkung von Wahrheit und sozialer Praxis im Zeitalter des „Postfaktischen“.

 

Zoom: https://zoom.us/j/91278255525