Sich selbst zu täuschen – ist das immer schlimm?

  • Termin: Di., 10. Januar 2023, 19:00 Uhr
  • Leitung: Prof. Dr. Jürgen Manemann
  • Ort: Vortrag in der Gerberstraße 26 und online via Zoom

Fellow-Vortrag: Dr. Nicola Zambon

Oft können wir mit einer Wahrheit, einer Einsicht oder einer Erkenntnis nicht leben, weil sie unseren Erwartungen an uns selbst oder unserem Selbstbild widerspricht – also täuschen wir uns selbst. Aus diesem Grund galt – und gilt weitestgehend immer noch – Selbsttäuschung in der Philosophie als schädlich: Angegriffen wird sie mit Blick auf das individuelle Wohlergehen und aus moralischer Sicht, sofern sie dem Ideal der Wahrheit widerspricht, unsere Autonomie untergräbt oder aber andere Menschen gefährden kann.
In meinem Vortrag möchte ich dennoch fragen, ob es auch Formen der Selbsttäuschung gibt, die doch zu verteidigen sind. Denn Menschen sind ja keine vernünftigen Akteur:innen, die in jeder Situation nach vollkommen rationalen, selbstbestimmten Kriterien reiner Rationalität zu entscheiden vermögen; oft scheitern wir etwa an unseren Ansprüchen, lassen uns an fremden Erwartungen verzweifeln, geraten dabei in Hilfslosigkeit. Kann es sein, dass kleine Selbsttäuschungen gerade ein autonomes Entscheiden und Handeln ermöglichen? Kann Selbsttäuschung – als eine Form scheinbarer Irrationalität – uns doch helfen, handlungsfähig zu werden?

Dr. Nicola Zambon studierte Philosophie in Bologna, Mainz und am Husserl-Archiv in Freiburg i.B. 2014 wurde er an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert. Seit April 2017 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität in Berlin und habilitiert über Kants Moralanthropologie. Seine Forschungsfelder und -interessen umfassen die Phänomenologie, die Philosophie der Neuzeit, Religionsphilosophie und die Psychoanalyse.

Zoom-Link: https://zoom.us/j/97465558076

Für den Zutritt zu Präsenzveranstaltungen gelten folgende Vorgaben:

  1. Das Tragen einer medizinischen Mund-Nase-Bedeckung ist – auch am Platz – verpflichtend.
  2. Die allgemeine Einhaltung der Abstandsregeln und Hygienebestimmungen, z.B. durch regelmäßige Desinfektion und/oder Händewaschen wird erwartet.