„Februar. No pasaran.“ Paul Celan als politischer Dichter

  • Termin: Mi., 27. Januar 2021, 19:00 Uhr
  • Leitung: Marvin Dreiwes MA
  • Ort: Tagungshaus St. Clemens, Platz an der Basilika 3, Hannover
Fellow-Vortrag Paul Stephan M.A.

Setz deine Fahne auf Halbmast,
Erinnrung.
Auf Halbmast
für heute und immer.

In dem Gedicht Schibboleth reflektiert Paul Celan (1920-1970) die Erfahrung der Niederlage der antifaschistischen Kämpfe der späten 1930er Jahre. Er erweist sich in ihm und anderen weniger bekannten Gedichten wie In Memoriam Paul Eluard nicht nur als lyrischer Zeuge der Schoah, sondern auch als politischer Autor, der literarisch in offensiver Weise Partei für die Sache der Freiheit ergreift.

Was bedeutet es 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, an diesen Kampf zu gedenken? Ein Schlüsselbegriff ist dabei derjenige des „Schibboleth“. In Auseinandersetzung mit Jacques Derridas Deutung dieses Konzepts bei Celan soll herausgearbeitet werden, wie Celan es einer provokanten Umdeutung unterzieht: Man soll sich bei ihm durch das Aussprechen des Losungsworts als Fremdling bzw. Antifaschist zu erkennen geben. Ein Thema, das auch in dem berühmtesten Gedicht seines Kollegen Paul Éluard (1895-1952), Liberté, auf das Celan in seinem poetischen Nachruf anspielt, eine entscheidende Rolle spielt: „Die Macht eines Wortes“, in diesem Fall die titelgebende Freiheit, wird mitten in der Besatzungszeit dem erfahrenen Elend entgegengehalten und soll das lyrische Ich geradezu gegen es abschirmen. – Welche Rolle können derartige Losungsworte im heutigen Kampf für die Befreiung spielen? Wie lässt sich die Macht des Wortes in verantwortungsvoller Weise einsetzen, im Sinne der „Sehnsucht“ bzw. „Hoffnung“, der Celan und Éluard in ihren Texten Ausdruck verleihen? Welche inspirierende Kraft können diese Texte noch heute entfalten?

Paul Stephan studierte Philosophie, Soziologie und Germanistik in Frankfurt am Main und Dublin. Er promoviert seit 2017 an der Albert Ludwigs-Universität Freiburg zum Konzept der Authentizität bei Kierkegaard, Stirner und Nietzsche. 2017 gewann er den zweiten Preis des Essaywettbewerbs des FIPH mit einer nietzscheanischen Analyse des Wahrheitsverständnisses von Donald Trump. Einige Texte von ihm finden sich auf blog.harp.tf.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Zahl der Teilnehmenden begrenzt und eine Anmeldung erforderlich. Die Anmeldung ist ab dem 20. Januar 2021 unter der Tel.-Nr. (0511) 1 64 09 30 oder per e-mail an wittkamp@fiph.de möglich.