Können wir Moral sehen? – Zur Philosophie der moralischen Wahrnehmung

  • Termin: Mi., 03. Februar 2021, 19:00 Uhr
  • Leitung: Prof. Dr. Jürgen Manemann
  • Ort: Tagungshaus St. Clemens, Platz an der Basilika 3, Hannover

Fellow-Vortrag Dr. des. Larissa Berger

Oft begegnen uns im Alltag moralisch relevante bzw. moralisch geladene Situationen und Handlungen. Wenn wir sehen, wie eine Person auf dem Bahnsteig eine andere, unschuldige Person rücksichtslos schubst oder gar verprügelt, so machen wir vermutlich die Erfahrung, dass diese Handlung (moralisch) falsch ist. Aber was genau geht da in uns vor? Manche Philosoph*innen vertreten die These, wir würden diese Handlung als falsch wahrnehmen, ebenso wie wir wahrnehmen, dass das Opfer eine blaue Jacke trägt. Es stellt sich jedoch die Frage, ob wir moralische Eigenschaften oder Tatsachen im eigentlichen Sinne wahrnehmen können. Könnte es nicht auch sein, dass wir angesichts der Attacke auf dem Bahnsteig eher ein bestimmtes moralisches Gefühl empfinden, welches bloß von gewöhnlichen Sinneswahrnehmungen (etwa der blauen Jacke) begleitet wird? Oder haben wir eher eine moralische Intuition? Wir wollen uns anhand verschiedener mehr oder weniger alltäglicher Beispiele dem Phänomen der sogenannten moralischen Wahrnehmung nähern und uns fragen, ob der Begriff der Wahrnehmung hier sinnvoll gewählt oder letztlich fehl am Platze ist.

Dr. des. Larissa Berger, gegenwärtig Fellow am fiph, promovierte 2019 an der Universität Siegen mit einer Arbeit zu Kants Philosophie des Schönen. Zu ihren Forschungsinteressen zählen Ästhetik, Metaethik, Philosophie der Wahrnehmung und historisch Kant. Derzeit forscht sie zu der Frage, ob das Phänomen sogenannter moralischer Wahrnehmung als ein Fall genuiner Wahrnehmung begriffen werden kann.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Teilnehmerzahl begrenzt und eine Anmeldung erforderlich. Die Anmeldung ist ab dem 27. Januar unter der Tel.-Nr. (0511) 1 64 09 30 oder per e-mail an wittkamp@fiph.de möglich.