Für andere sprechen. Überlegungen zu einer verkannten Praxis

  • Termin: Mi., 13. Januar 2021, 19:00 Uhr
  • Leitung: Prof. Dr. Jürgen Manemannn
  • Ort: Tagungshaus St. Clemens, Platz an der Basilika 3, Hannover
Vortrag Marvin Dreiwes MA

Imstande zu sein, für sich selber zu sprechen, scheint eine der elementaren Fähigkeiten zu sein, die einer mündigen Person zugestanden werden. Für sich zu sprechen heißt, Gründe für das eigene Handeln geben zu können und eigene Interessen auszudrücken. Umso fataler scheint es, wenn diese Fähigkeit untergraben oder beschädigt wird und Dritte als Fürsprecher*innen ins Spiel kommen. Deren Auftreten wird oft als defizitärer oder paternalistischer Versuch gesehen, das originäre Sprechen eines Subjekts zu vertreten.

Entgegen dieser rein negativen Beschreibung von Fürsprache möchte der Vortrag die ethische Bedeutsamkeit von Fürsprache-Praktiken hervorheben, ohne dabei die ihnen inhärenten Aporien zu übergehen. Im Lichte phänomenologischer und alteritätstheoretischer Theorien wäre Fürsprache weniger als ein Spezialfall advokatorischer Rede zu deuten denn als sichtbare Mehrstimmigkeit, die jedes Sprechen unweigerlich durchzieht.

Marvin Dreiwes MA studierte Philosophie, Literatur und Kultursoziologie in Hildesheim und Montpellier und ist seit 2018 Mitarbeiter am fiph. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Fragen der Sprach- und Sozialphilosophie sowie der politischen Philosophie. In seiner Dissertation beschäftigt er sich mit den ethischen und politischen Aporien advokatorischen Sprechens aus alteritäts-phänomenologischer Perspektive.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Zahl der Teilnehmenden begrenzt und eine Anmeldung erforderlich. Die Anmeldung ist ab dem 6. Januar unter der Tel.-Nr. (0511) 1 64 09 30 oder per e-mail an wittkamp@fiph.de möglich.