Wirksame Gewaltlosigkeit: Zur Aktualität Simone Weils

  • Termin: Mi., 02. Dezember 2020, 19:00 Uhr
  • Leitung: Marvin Dreiwes MA
  • Ort: Tagungshaus St. Clemens, Platz an der Basilika 3, Hannover
Fellow-Vortrag Dr. Tom Vandeputte

Dieser Vortrag bietet eine Einführung in Simone Weils politisches Denken und seine Bedeutung für die Gegenwart. Leitfaden wird die Theorie der Gewalt sein, die die französische Philosophin in ihren späteren Schriften entwickelt hat. Mein erstes Ziel wird es sein, die Taxonomie der Gewalt zu erläutern, die Weil in ihrem Aufsatz Die Ilias oder das Poem der Gewalt und anderen Schriften aus der gleichen Zeit entwickelt. Weil unterscheidet hier zwischen „Gewalt in ihrer gröbsten und zusammenfassendsten Form“ – der Gewalt, die tötet – und einer „anderen Gewalt”, die, wie sie schreibt, „nicht tötet, d.h. noch nicht tötet“. Wie ich im zweiten Teil des Vortrags zeigen werde, wird diese Taxonomie der Gewalt und der damit verbundene Begriff des Unglücks (malheur) zur Grundlage für Weils Kritik der staatlichen Gewalt und insbesondere der Beziehung zwischen Recht und Strafe. Aber Weils Theorie der Gewalt spielt auch eine entscheidende Rolle in ihrer Betrachtungen über Widerstand. Im dritten Teil meines Vortrags werde ich untersuchen, wie sich Weils komplizierte Beziehung zu diesem Problem in ihren Versuchen ausprägt, eine Politik der „wirksame Gewaltlosigkeit“ zu artikulieren – sowohl in ihrem Leben als auch in ihren Schriften.

Dr. Tom Vandeputte lehrt Kontinentalphilosophie und kritische Theorie am Sandberg Institut Amsterdam, wo er auch das Critical Studies Department leitet. Promoviert wurde er am Goldsmiths, University of London, in Angliederung an das Centre for Philosophy and Critical Thought. Neben seinem Fellowship am fiph ist er im Akademischen Jahr 2020/21 auch Visiting Fellow am Centre for Research in the Arts, Social Sciences and Humanities (CRASSH) an der University of Cambridge. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Philosophie der Geschichte, Sozialphilosophie und politischen Theorie. Sein Buch Critique of Journalistic Reason: Philosophy and the Time of the Newspaper (Fordham University Press, 2020) verfolgt die philosophische Interpretation des Journalismus von Kant bis Benjamin, mit besonderem Hinweis auf seine Bedeutung für Theorien der Geschichte und der historischen Zeit. Aktuell arbeitet er an einem Buch über Walter Benjamins politisches Denken sowie an einer Studie zur Simone Weils kritischer Theorie von Recht und Gewalt.

 

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Zahl der Teilnehmenden begrenzt und eine Anmeldung erforderlich. Die Anmeldung ist ab dem 25. November 2020 unter der Tel.-Nr. (0511) 1 64 09 30 oder per e-mail an wittkamp@fiph.de möglich.