"Wenn Argumente scheitern" (2017)

Wenn Argumente scheitern, sind es dann die falschen Argumente? Oder gibt es unterschiedliche Ökosysteme der Rationalität, die überhaupt erst neu zu entdecken wären? Ist mit den gescheiterten Argumenten die argumentierende Philosophie selbst am Ende? Der vom Forschungsinstitut für Philosophie ausgeschriebene Essaypreis 2017 wollte zur Rückbesinnung auf die Aufklärung ermutigen, um Perspektiven und Konzepte gegen einen argumentationsresistenten Populismus zu entwickeln. In ihren Beiträgen befragen die Preisträger die Sinnhaftigkeit und Potentiale von Aufklärung und Vernunftargumenten angesichts einer immer komplexer werdenden Wirklichkeit in besonders orgineller und philosophischer Weise.

Am Freitag, den 15. September, wurde der Wissenschaftliche Essaypreis 2017 im Rahmen eines feierlichen Festaktes in der  Dombibliothek Hildesheim verliehen. Im Anschluss an die Laudatio durch Prof. Dr. Markus Kotzur (Universität Hamburg), Mitglied des Vorstands und der Jury, präsentierten Robert Ziegelmann M.A., Heidelberg (1. Preis), Paul Stephan M.A., Leipzig (2. Preis), und Christoph Paret M.A., Konstanz (3. Preis), ihre prämierten Essays einem interessierten Publikum.


Robert Ziegelmann plädiert in seinem Essay für eine Philosophie, die sich selbst als Teil der Gesellschaft und ihren komplexen, widersprüchlichen Erfahrungswirklichkeiten versteht. Eine solche Philosophie kritisiert nicht den Mangel an Vernunft bei anderen, sondern reflektiert sensibel die Brüche in der Gesellschaft, durch die verschiedene ideologische Bedürfnisse aktiviert werden. Von hier aus müsse der Dialog mit denen geführt werden, die sich in geschlossenen Weltbildern bewegen. Paul Stephan nimmt das Phänomen des „Trumpismus“ unter Rekurs auf Friedrich Nietzsche in den Blick und interpretiert es als Symptom massiver Entselbstung. Ursächlich dafür sei ein Mangel an Subjekthafigkeit. Dagegen helfe nur eine philosophisch grundierte selbstkritische Reflexion. Christoph Paret schließlich verweist auf den Reiz des offen Illegitimen: der zur Schau gestellten Lüge. Diese blasphemische Haltung gegenüber der Wahrheit sei das Kennzeichen des Postfaktischen, das den rationalen Diskurs unmöglich mache.