Epistemische Ungerechtigkeit. Drei philosophische Perspektiven

  • Termin: Di., 01. Juni 2021, 19:00 Uhr
  • Leitung: Marvin Dreiwes MA
  • Ort: Online-Vortrag

45 Minuten weiter denken mit Anastassija Kostan MA

Die mit Fragen sozialer Gerechtigkeit verbundenen Begriffe der epistemischen Ignoranz, Un­terdrückung und Gewalt fokussieren drei Schnittstellen von Wissen, Macht und Teilhabe. Sie adressieren unter der Prämisse, dass Wissen und Erkennen nicht universell und frei verfügbar sind, Formen ungerechter Behandlung in kommunikativen, sinnstiftenden und wissensproduzierenden Praktiken. Insbesondere werden dabei verschiedene Ökonomien der Glaubwürdigkeit in den Blick genommen, welche manchen Wissenden epistemische Handlungsfähigkeit zu- und anderen absprechen. So wird das Wissen mancher Menschen aufgrund impliziter Vorurteile der (nicht) Hörenden systematisch missverstanden und ausgeschlossen. Ziel der drei vorgestellten Perspektiven auf epistemische Ungerechtigkeit ist es, die Ignoranz der Adressierten als eine aktive – wenn oftmals auch unbewusste – Praxis des Nicht-Wissen-Wollens herauszuarbeiten und ihr eine den eigenen Vorurteilen gegenüber offene epistemische Haltung gegenüberzustellen.

Anastassija Kostan MA studierte Philosophie, Soziologie und Ge­schlechterstudien in Frankfurt am Main und Paris. Als Doktorandin der Goethe-Universität Frankfurt am Main forscht sie zur Gesellschafts- und Wissenschaftskritik neomaterialistischer Feminismen. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen die Perspektiven Vicki Kirbys und Elizabeth Grosz’ auf das Verhältnis von Vernunft, Na­tur und Sprache, das sie als Ergebnis vielfältig miteinander ver­schränkter Prozesse relational-materieller Aktivität betrachten.