Dr. Dora Papadopoulou

Fellow von Oktober 2014 bis Juli 2015

Philosophie stand immer im Mittelpunkt meines Denkens. Ich habe Philosophie, Soziologie und Politische Wissenschaft an der Universität auf Kreta studiert. 2001 legte ich meinen Magister in Politische Philosophie ab. Die Bedeutung der Gerechtigkeit und die Menschenrechte standen im Zentrum meiner politisch-philosophischen Reflexionen, in denen ich mich dezidiert mit der Philosophie von John Rawls auseinandergesetzt habe. Im Laufe meines Magisters, der interdisziplinär war (Juristische Fakultät in Athen und Philosophische Fakultät auf Kreta), wurde ich durch die „Stiftung für staatliche Stipendien“ gefördert. Es folgte 2005 die Promotion, in der ich mich unter der Betreuung von Otfried Höffe mit der Idee der Deliberation und des Diskurses befasste. In meiner Auseinandersetzung mit J. Rawls und J. Habermas nutzte ich die Philosophie von O. Höffe als Scharnier. Ohne die finanzielle Unterstützung der „Onassis Stiftung“ hätte ich die Promotion unmöglich fertigstellen können. Bereits vor der Fertigstellung meiner Arbeit habe ich als Gast verschiedene Seminare über Politische Theorie an der „London School of Economics and Political Science“ besucht. Nach dem Abschluss der Promotion habe ich mein Post-doc-Projekt bei Nancy Fraser an der New School for Social Research in New York angefangen. 2007 bin ich aus privaten Gründen nach Griechenland zurückgekehrt. Seitdem habe ich Philosophie, Politische Theorie, Politische Soziologie und Internationale Politische Theorie in Griechenland unterrichtet. Ich bin Mitglied verschiedener Assoziationen und habe an vielen internationalen Konferenzen und Workshops teilgenommen. Meine Hauptarbeitsgebiete sind schwerpunktmäßig in den Bereichen der Praktischen und Politischen Philosophie sowie der Angewandten Ethik verankert. Meine Ausgangposition sind die Schriften des Aristoteles. Meine systematischen Interessen richten sich vor allem auf die Politische Theorie der Gegenwart, die Handlungstheorie sowie die philosophische Perspektive der Feministischen Theorien. In meinen bisherigen Publikationen habe ich mich mit Themen wie Demokratietheorien, Deliberation, Theorien der Gerechtigkeit usw. befasst.

Projekt am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

Die Bedeutung einer normativen Ethik für die Europäische Union. Ein Rekonstruktion aus Aristotelischer Perspektive

Im Mittelpunkt der Aristotelischen Philosophie steht die Erkenntnis: Alles liegt zwischen einem Zuviel (ὑπερβολή) und einem Zuwenig (έλλειψις). Mir geht es darum, Vernunft im Blick auf das richtige Handeln zu verstehen. Mit diesem Projekt möchte ich die zeitgenössische politische Realität Europas aus philosophischer Perspektive analysieren. Dazu werde ich mich auf Aristoteles beziehen. M.E. enthalten seine Einsichten bedeutende Potenziale, um heutige Probleme innerhalb der Europäischen Union besser verstehen, hinterfragen und neu definieren zu können. Darüber hinaus will ich zeigen, dass eine Rekonstruktion seiner Schlüsselelemente in gegenwärtigen Problemlagen einen Beitrag leisten kann, die verlorene Bedeutung der Europäischen Union wiederzuerlangen. Es liegt mir fern, durch normative Kriterien die empirische Legitimität der EU zu schwächen. Auch geht es mir um mehr als eine bloße Skizzierung der Demokratiedefizite. Vielmehr will ich mit der Philosophie des Aristoteles die Bedeutung einer normativen Ethik in der EU herausarbeiten.

Der Glaube an die Vision der Europäischen Union ist mehr als eine dringende Notwendigkeit. Mehr denn je sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Bedeutung einer normativen Ethik legen, die die institutionalisierte Ethik stützen wird, um dadruch die Rationalität der öffentlichen Entscheidungen zu verbessern. In meiner theoretischen Konstruktion werde ich in erster Linie die Begriffe des Aristoteles: „Ethik“, „Ethos“, „Politik“, „Gesellschaft“, „Führer/Füh­rung“ als Leitbegriffe benutzen. Meine Arbeit wird sich mit Fallstudien befassen, um Normativität und Faktizität von Beginn an in ein spannungsvolles, konstruktives Verhältnis zu setzen.