Dr. Teodora Manea

Stipendiatin von Oktober 2003 bis Juli 2004

Teodora Manea wurde am 29. April 1973 in Rumänien geboren. Von 1992-1996 studierte sie Philosophie an der Al.I. Cuza-Universität Iasi. Von 1996-1997 machte sie ein Aufbaustudium in Östliche Philosophie und Spiritualität. Am 1. Dezember 2002 promovierte sie mit einer Dissertation im Bereich der Ontologie zum Thema "Über die Kategorien und deren Auffassung in der gegenwärtigen Philosophie".

1997-2003 war sie Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Geschichte der Philosophie und Hermeneutik der Al.I. Cuza-Universität Iasi. Seit Januar 2004 ist sie Dozentin an derselben Universität.

März bis August 2002 und Juni bis August 2003: Forschungsaufenthalte an der Universität Konstanz.

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Projekt am fiph

"Wie hat die Gentechnologie unser Weltbild verändert? Eine komparative Analyse der kulturellen und religiösen Aspekte in Ost- und Westeuropa"

Jede Philosophie, insbesondere diejenige, die eine institutionelle Form besitzt, sollte ihre Aufmerksamkeit auf die Wissenschaftsentwicklung und aktuelle Fragen, die sich mit dieser Entwicklung verbinden, richten. Bis zum letzten Jahrhundert wurde das Wissensparadigma von Physik und Astronomie beeinflusst. Durch die Relativitätstheorie wurden die Begriffe von Raum und Zeit verändert. Heute sind es vor allem die Informatik und die Biologie, die für ein neues Weltbild verantwortlich sind. Im 21. Jahrhundert ist die Biologie, vor allem in den Formen von Genetik, Biotechnologie, Biomedizin usw., die paradigmatische Wissenschaft. Einerseits stellen Forschungsrichtungen wie Klonen oder Genmanipulation Fragen, die eine kritische ethische Reflexion verlangen. Andererseits geht es nicht nur um die ethischen Probleme, sondern auch um die Entstehung neuer Vorstellungen und Begriffe z.B. im Bereich der Anthropologie, der Werttheorie und der Epistemologie.

Grundsätzlich stehen sich zwei Modelle der Ethik gegenüber: Das eine steht für die Überzeugung, daß man für ethische Sätze die gleiche Evidenz wie für mathematische Sätze verlangen muß. Hier entwickelt sich die Ethik als eine Disziplin, die vor allem ein exaktes analytisches Instrumentarium vorzuweisen sucht. Das andere hält dies für unmöglich und billigt der Ethik in Form einer Gesinnungsethik nur eine schwache systematische Ausarbeitung zu. Ethische Aussagen wären demnach nicht strikt überprüfbar, vielmehr auf Gefühle und Emotionen zurückführbar. Beide Auffassungen scheinen für die Lösung aktueller ethischer Fragen nicht recht geeignet zu sein. Sie sind überdies durch den Unterschied zwischen Natur- und Geisteswissenschaften geprägt. Begriffe wie „Evidenz“, „analytisch“, „wissenschaftliche Rede“, „(un-)überprüfbar“ gehören zur Terminologie der Naturwissenschaften.

Die Unterscheidungen der Informatik wurden durch technische Begriffe in die Genetik transferiert. Ausdrücke wie „Information“, „Instruktion“, „Text“, „Code“, „Alphabet“, „Programm“ und „Feedback“ wurden in die Terminologie der Genetik eingeführt. Molekularbiologen begannen, Organismen und Moleküle als Speicher- und Abrufsysteme zu beschreiben . Die kopierte Information muss auch in der Biologie genau oder perfekt wie das Original sein. So scheint ein Klon wie ein Kopie-Programm zu sein. Die Vorstellung eines genetischen Programms lässt sich als philosophisches Konzept beschreiben. 1970 hat Fr. Jacob erstmals die Vorstellung der DNA als Magnetband eines Rechners, auf dem im Binärcode ein Programm gespeichert ist, dargestellt. Diese Vorstellung des Genoms als „Programmmetapher“ spiegelt sich auch in der Universal Declaration on the Human Genome and Human Rights (UNESCO) wider: „Das menschliche Genom liegt der grundlegenden Einheit aller Mitglieder der menschlichen Gesellschaft sowie der Anerkennung der ihnen innewohnenden Würde und Vielfalt zugrunde. In einem symbolischen Sinne ist es das Erbe der Menschheit“ .

Den Unterschied zwischen der Informatik und der Biologie bildet die „Natur“, Natur als etwas, das wir nicht völlig manipulieren oder vorhersagen können. Typisch für die Biologie ist das Begriffspaar Genotyp - Phänotyp, das keine Entsprechung im Bereich der Informatik hat. Der Phänotyp stellt die Interaktion mit der „Umwelt“ dar. Unter „Umwelt“ ist aber nicht nur die „Natur“ zu verstehen, sondern auch Kultur, Sprache, Geschichte und Technik als symbolische Formen (Cassirer), desgleichen die Klimaveränderungen, die Ernährungsgewohnheiten, die neuen Krankheiten usw. als implizite Effekte des Zivilisationsprozesses.

Unsere Vorstellungen hängen vom dominanten Paradigma der Wissenschaft ab. In diesem Falle scheint das die Informatik zu sein. Dies macht sich in der theoretischen Struktur der Biologie geltend, ist aber auch unter einer ethischen Perspektive von Bedeutung. Dies zu zeigen, ist mein Anliegen.

Ziele des Projektes:

1. Die Förderung der Bioethik in Rumänien.

2. Ein Buch über die kulturellen und religiösen Aspekte der Biotechnologien zu schreiben.

3. Die Einführung der Themen, Begriffe und Fragen der Bioethik in den philosophischen Unterricht in Rumänien.

4. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch die Veröffentlichung eines Buches über Bioethik.