Marvin Dreiwes MA

Philosophie bedeutet für mich, eine kritische Sensibilität im sprachlich verfassten Miteiander zu kultivieren, um unentwegt gegen gesellschaftliche Missstände wie auch gegen die eigenen Vorurteile andenken zu können.

An der Universität Hildesheim und der Université Paul Valéry Montpellier III studierte ich die Fächer Philosophie, Literatur und Kultursoziologie. Während dieser Zeit entwickelte ich ein Interesse an Problemstellungen, die zwischen den Bereichen der Ethik sowie der Sprach- und Sozialphilosophie anzusiedeln sind. Gleichermaßen machte ich mich mit phänomenologischen und kulturphilosophischen Theorien zur Alterität und Fremdheit vertraut. So beschäftigte sich meine 2015 verfasste Bachelorarbeit mit Emmanuel Levinas und seiner Totalitätskritik. Hinzu kam während meines Masterstudiums eine intensive Auseinandersetzung mit französischen Theoretikern wie Georges Bataille, Michel Foucault und Jacques Rancière. In der 2017 verfassten Masterarbeit widmete ich mich schließlich der Praxis der Fürsprache, die ich ausgehend von alteritäts-theoretischen und in Abgrenzung zu kontraktualistischen Ansätzen hinsichtlich ihrer Aporien und ihrer ethischen Bedeutsamkeit untersucht habe.

Meine zurzeit geplante Dissertation möchte dieses Thema weiter ausloten und fragen, unter welchen prekären Bedingungen wir im Namen jener sprechen können, die keine Stimme haben. Dabei eröffnen sich mindestens drei Problemhorizonte. Zunächst ließe sich an Fälle denken, in denen Menschen aufgrund einer spezifischen körperlichen Verfassung oder Entwicklung noch nicht oder nicht mehr sprechen können. Ferner geraten jene stärker politischen Fälle in den Blick, in denen es weniger eine individuelle Verfassung, sondern vielmehr eine spezifische gesellschaftliche und soziale Konfiguration ist, die Menschen entsprachlicht. Schließlich ließen sich radikaler Formen der Fürsprache anführen, die sich auf angeblich sprachlose Dinge, wie Tiere oder Natur, beziehen. Es bleibt zu klären, warum an dieser Stelle überhaupt von Fürsprache im Sinne einer Stellvertretung die Rede sein sollte. Mein Verdacht ist, dass dieses Sprechen im Namen eines Anderer immer Gefahr läuft, den Anderen in einer Sprachlosigkeit zu halten – und doch stellt die Fürsprache mit ihrer ethischen Ambivalenz in meinen Augen eine unverzichtbare Praxis dar.