Miriam Schröder M.A.

Fellow von Oktober 2026 bis September 2027

Zur Person

Miriam Schröder studierte von 2014 bis 2018 Internationale Beziehungen und Romanistik an der Universität Erfurt mit einem Auslandsaufenthalt an der Universidad Nacional de La Plata. 2022 absolvierte sie ihren Master im Studiengang Politische Theorie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Technischen Universität Darmstadt, mit einem Auslandsaufenthalt an der New School for Social Research, New York. Von 2021 bis September 2026 war sie Mitarbeiterin im Bereich Veranstaltungen am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main, seit 2023 ist sie dort sowie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main Doktorandin. Ihr Dissertationsprojekt, an dem sie während ihres Fellowships arbeiten wird, ist an der Professur für Sozialphilosophie angesiedelt. Darin beschäftigt sie sich mit dem Verhältnis von Spekulation und Kritik in drei unterschiedlichen Kontexten bzw. bei drei Autor*innen: Theodor W. Adorno, Donna J. Haraway und Saidiya Hartman. Seit 2026 ist sie außerdem Redaktionsmitglied der Zeitschrift detour. Texte zur Gegenwart. Ihre Forschungsinteressen umfassen die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, französische Theorie, feministische Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, Neue Materialismen und dekoloniale und rassismuskritische Theorien.

Das Projekt am FIPH

Epistemologien des Spekulativen. Kritik und Spekulation bei Theodor W. Adorno, Donna J. Haraway und Saidiya Hartman

Das Projekt bearbeitet folgende Problemstellung: Kritik braucht Spekulation. Denn sie muss über das unmittelbar Gegebene hinausgehen, um Gesellschaft und soziale Zusammenhänge denken zu können – und denken zu können, wie diese grundlegend verändert werden können. Spekulation gewinnt dabei eine relative Freiheit gegenüber dem Bestehenden: Sie distanziert sich vom Gegebenen, ist aber zugleich eine generative Praxis, in der neue Begriffe, Verbindungen und Theorien entstehen können. Zugleich bleibt Spekulation für kritische Theorien aber immer ein Problem: Sie tendiert dazu, sich zu verselbstständigen, von ihrem Gegenstand der Kritik abzulösen und idealistisch zu werden.

Aus diesen Gründen ist die Fragestellung nach dem Verhältnis von Spekulation und Kritik zentral. In meinem Dissertationsprojekt entwickle ich diese Thesen ausgehend von einer Auseinandersetzung mit den Theorien von Theodor W. Adorno, Saidiya Hartman und Donna J. Haraway. Trotz ihrer unterschiedlichen Kontexte weisen alle drei ein spekulatives Moment in ihrer Kritik der Gesellschaft oder der Sozialität auf, das sie auch reflektieren. Spekulation wird dabei nicht idealistisch verstanden, sondern als soziale Kraft, die konkrete und verkörperte Erfahrungen zur Sprache bringt und auf spezifische Darstellungsformen drängt. Die Arbeiten von Adorno, Hartman und Haraway werden dabei in eigenständigen Kapiteln als kritisch-spekulative Theorien rekonstruiert. Anschließend daran werden systematische Punkte über das Verhältnis von Kritik und Spekulation herausgearbeitet. Dabei wird auch die inhaltliche Diskussion und Konfrontation der jeweiligen Ansätze gesucht, die hier alle drei als radikale Infragestellungen und spekulative Weiterentwicklungen dessen verstanden werden, was menschliche Gesellschaft ist und werden kann.