Dr. des. Larissa Berger

Fellow vom 1. Oktober 2020 bis 31. Juli 2021

Dr. des. Larissa Berger studierte Philosophie, Musik und Erziehungswissenschaft an der Universität Siegen. 2019 wurde sie, ebenfalls an der Universität Siegen, in Philosophie promoviert. Ihre Dissertation ist ein umfassender Kommentar zu Kants Analytik des Schönen anhand der von Dieter Schönecker entwickelten Methode der kommentarischen Interpretation. Während der Promotion, die durch ein Stipendium des Cusanuswerks gefördert wurde, verbrachte sie einen Auslandsaufenthalt an der Northwestern University (Illinois). Im Anschluss an ihre Promotion hat Larissa Berger ein Forschungsprojekt zu der Frage entwickelt, ob (und unter welchen Bedingungen) moralische Wahrnehmung als ein Fall genuiner Wahrnehmung gelten kann. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen somit nicht nur Ästhetik und Geschichte der Philosophie (Kantforschung), sondern auch Metaethik, Philosophie der Wahrnehmung und Philosophie der Emotionen.

Gemeinsam mit Elke E. Schmidt ist Larissa Berger Herausgeberin des Kleinen Kant-Lexikons (utb, 2018). Darüber hinaus hat sie zu verschiedenen Aspekten von Kants Ästhetik und Ethik publiziert, unter anderem: „Der «Zirkel» im dritten Abschnitt der Grundlegung. Eine neue Interpretation und ein Literaturbericht“, in: D. Schönecker (Hrsg.): Kants Begründung von Freiheit und Moral in Grundlegung III (2015); „The Felt Syllogism of Taste – A Reading of Kant’s sensus communis“, in: Proceedings of the European Society for Aesthetics, vol. 10 (2019). 

Am fiph wird Larissa Berger an ihrem Projekt zur moralischen Wahrnehmung arbeiten.

Projekt am fiph

Moral Perception as a Kind of Perception?

Wenn man sieht, wie eine Person auf einem Bahnsteig eine andere, scheinbar unbekannte Person körperlich angreift und verletzt, werden die meisten von uns die (moralische) Erfahrung machen, dass diese Handlung falsch ist. Manche Philosoph*innen, wie Robert Audi, Robert Cowan, Sarah McGrath und Preston J. Werner, bezeichnen solche moralischen Erfahrungen als moralische Wahrnehmung: Man nehme wahr, so die These, dass die Handlung des Angreifers falsch sei, ebenso wie man wahrnehme, dass das Opfer eine blaue Jacke trage. Im Forschungsprojekt wird sich der für solche Theorien moralischer Wahrnehmung vielleicht fundamentalsten Herausforderung gestellt: der Frage, ob das Phänomen der sogenannten moralischen Wahrnehmung wirklich als ein Fall genuiner Wahrnehmung gelten kann oder nicht.

Das Projekt folgt einer dreiteiligen Struktur: Im ersten Teil wird ein Überblick über aktuelle Positionen und Debatten in der Philosophie der Wahrnehmung gegeben und davon ausgehend eine Position in der Wahrnehmungsphilosophie eingenommen. Im zweiten Teil werden moralische Erfahrungen allgemein behandelt. Dazu soll zunächst geklärt werden, was moralische Erfahrungen sind; anschließend sollen verschiedene Arten der moralischen Erfahrung, vor allem moralische Gefühle und Intuitionen, bestimmt und voneinander abgegrenzt werden. Im dritten Teil werden die zentralen Fragen des Projekts beantwortet, ob das Phänomen der sogenannten moralischen Wahrnehmung erstens ein Fall genuiner Wahrnehmung ist und zweitens eine eigenständige Kategorie der moralischen Erfahrung ausmacht. Dazu wird zunächst ausgehend von relevanten Fällen sogenannter moralischer Wahrnehmung eine umfassende Analyse dieses Phänomens durchgeführt. Im Anschluss wird das Ergebnis dieser Analyse mit dem theoretischen Rahmen der Wahrnehmungsphilosophie sowie der Philosophie der moralischen Erfahrung aus dem ersten und zweiten Teil in Beziehung gesetzt.