Dr. Antonio Lucci

Fellow von Oktober 2018 bis Juli 2019

Dr. Antonio Lucci ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin und derzeit Fellow am IFK Wien. Im Sommersemester 2016 hat er die Professur für „Kulturtheorie und kulturwissenschaftliche Ästhetik“ an der Humboldt Universität vertreten. Davor war er als Post-Doc Forscher am Excellence Cluster Topoi und als Dozent für Medienästhetik an der NABA (Neue Akademie der Künste, Mailand) tätig.

Er studierte Philosophie und Geschichte an der Universität Rom (La Sapienza) und promovierte in Triest im Bereich der Philosophie mit einer Arbeit über das Konzept von „Anthropotechnik“ in Peter Sloterdijk, die 2014 bei Aracne veröffentlicht wurde.

Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Kulturgeschichte, die Philosophie der Technik, die Verbindungen zwischen Oikonomia und Askese sowie die Geschichte der italienischen Philosophie und der Kulturwissenschaften. Zurzeit habilitiert er zum Thema „Askese als Subjektivierungsstrategie“ am Institut für Kulturwissenschaft der HU Berlin. Er ist Herausgeber diverser philosophischer und internationaler Zeitschriften wie LoSguardo und Azimuth. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. die Monographien Il limite delle sfere. Saggio su Peter Sloterdijk, Rom: Bulzoni, 2011; Lacan, oggi, Mailand: Mimesis, 2014 und Umano Post Umano, Rom: Inschibboleth, 2016. Er hat zahlreiche Aufsätze auf Italienisch und Deutsch publiziert, darunter: „Asketische Motive in Pier Paolo Pasolinis Filmen“, in: Lo Sguardo 19 (2015), S. 127-147; „Jenseits des Austausches. Die Unterbrechung der Austauschordnung als logische Strategie bei Giorgio Agamben“, in: Azimuth. Philosophical Coordinates 5 (2014), S. 105-118 und „Oikos und Zoé. Biopolitik, Zoökonomie, Askese“, in: T. Macho (Hg.), Bonds. Schuld, Schulden und andere Verbindlichkeiten, München: Fink, 2014, S. 403-420.

 

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Projekt am fiph

Abendländische Asketologie. Kulturtheorie und Kulturgeschichte der westlichen Lebens(re)formen

Forschungsziel des Projekts ist die Rekonstruktion der Gesamtheit an Praktiken, die vermittels unterschiedlicher historischer Konzepte und Auffassungen im abendländischen Kulturkreis mit dem Begriff der Askese belegt werden. Ausgehend von der etymologischen Bedeutung des Terminus ‚Askese‘ – bzw. ‚Übung‘ – richtet das Projekt seinen Forschungsansatz an folgender theoretischer Grundannahme aus: Der Begriff „Askese“ umfasst in der abendländischen Kulturgeschichte unterschiedliche Modalitäten und Strategien der Subjektivierung, die sich in je verschiedenen Erscheinungsformen und Ausprägungen in Abhängigkeit vom (sozialen, politischen oder ökonomischen) Kontext niederschlagen. Mittels einer systematischen Erfassung dieser Praktiken, die einige ‚antagonistische‘ Gruppen zu einer bestimmten Zeit und gegen eine vorgeschriebene Existenzordnung ausgeführt haben, wird das vorliegende Projekt eine ‚morphologische Kulturgeschichte‘ der Askese rekonstruieren, die ihre wichtigsten Etappen in der abendländischen Geschichte nachzeichnet. Nach einer kulturhistorischen Analyse der Askese in der griechischen sowie römischen Antike, im christlichen Mittelalter, in der höfischen Renaissance und in der Romantik, wird der Fokus der Untersuchung auf die spezifisch philosophische Rezeptionsgeschichte der Askese beginnend mit Schopenhauer bis zur zeitgenössischen Philosophie gesetzt, um die Bedeutung und den besonderen strategischen Wert dieses Konzepts in der Philosophie der letzten zwei Jahrhunderte zu eruieren.