„Sich etwas sagen lassen“. Philosophische Perspektiven auf die Fähigkeit des Zuhörens

  • Termin: Di., 30. Mai 2017, 18:00 Uhr
  • Leitung: Prof. Dr. Jürgen Manemann
  • Ort: fiph, Gerberstr. 26, Hannover
Fellow Vortrag IV: PD Dr. Lars Leeten (Oslo)

 Es gilt als lobenswert, gut zuhören zu können, und man tadelt es, wenn jemand nicht gut zuhören kann. Daran zeigt sich, dass Zuhören keine Selbstverständlichkeit ist. Es geschieht nicht automatisch; es will offenbar gelernt sein.

Dieser Vortrag fragt nach der Fähigkeit des Zuhörens und ihrem Ort in Streitgesprächen. Wo Kontroversen – z.B. politische Debatten – die Form eines rohen rhetorischen Kampfes annehmen, geht das oft damit einher, dass man sich nicht mehr gut zuhört. Die Sachlichkeit der Auseinandersetzung scheint auch damit zu tun zu haben, dass die Beteiligten bereit sind, „sich etwas sagen zu lassen“. Dennoch spielt die Fähigkeit des Zuhörens in der Philosophie oder Argumentationstheorie kaum eine Rolle. Thematisiert werden fast ausschließlich Sprecher, die Gründe geben und Argumente entwickeln können; dass diese Sprecher auch hören und zuhören müssen, wird in der Regel ausgeblendet.

Vor diesem Hintergrund ist zu fragen: Was bedeutet es, zuhören zu können? Kann man das Zuhören als argumentative Fähigkeit verstehen? Wie lernt man zuhören? Diskutiert werden diese Fragen in Auseinandersetzung mit der Geschichte der Philosophie, etwa mit Ansätzen der Antike und der Phänomenologie

 

PD Dr. Lars Leeten war nach seiner Promotion in Berlin als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Hildesheim tätig (2008–2014) und wurde 2016 im Fach Philosophie habilitiert. Gastdozenturen und Forschungsaufenthalte führten ihn u.a. nach Belém, Brasilien, und nach Kaohsiung, Taiwan. Seit 2015 forscht er an der Universität Oslo. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die antike und moderne Ethik, das Verhältnis von Philosophie und Rhetorik sowie die ethische Reflexion diskursiver Praktiken.