Gibt es einen liberalen Sozialismus?

  • Termin: Mi., 07. Juni 2017, 18:00 Uhr
  • Leitung: Prof. Dr. Jürgen Manemann
  • Ort: fiph, Gerberstr. 26, Hannover
Fellow-Vortrag V: Dr. Hannes Kuch (München)

In den letzten Jahren hat sich der kapitalistische Markt als zunehmend krisenhaft, als Verstärker von Ungleichheit und als eigendynamische Institution erwiesen, die auf problematische Weise in nicht-marktförmige Lebensbereiche vordringt. Zugleich hat die Weltwirtschaftskrise dazu beigetragen, dem Begriff ›Sozialismus‹ inner-philosophisch wie auch in der breiteren Öffentlichkeit neue Konjunktur zu verleihen. Vor diesem Hintergrund werde ich in dem Vortrag nach den normativen Grundlagen und den institutionellen Rahmenbedingungen dessen fragen, was in der Tradition von John Stuart Mill und John Rawls als ›liberaler Sozialismus‹ bezeichnet wird: eine Form des Wirtschaftens, in der die kapitalismustypischen Eigenschaften des Marktes überwunden werden, aber politische Grundfreiheiten und demokratische Rechte gesichert sind. In dem Vortrag möchte ich das im Anschluss an G.W.F. Hegel entfaltete Konzept der sozialen Freiheit für die normative Rechtfertigung und die institutionelle Ausgestaltung eines liberalen Sozialismus fruchtbar machen. Mit Hilfe dieses Konzepts lässt sich zeigen, dass es nicht genügt, lediglich den erwirtschafteten Output nachträglich solidarisch umzuverteilen; worauf es vor allem ankommt, ist der angemessene Vollzug wirtschaftlichen Handelns, der anspruchsvollen Normen der Solidarität genügen muss.

 

Dr. Hannes Kuch promovierte nach dem Studium der Philosophie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre an der FU Berlin über Hegels Figur von ‚Herr und Knecht‘. Er war Mitarbeiter im Forschungsprojekt ‚Zur Performanz sprachlicher Gewalt‘ (FU Berlin), Stipendiat am Graduiertenkolleg ‚Sklaverei, Knechtschaft, Zwangsarbeit‘ (Universität Trier) und Postdoctoral Research Fellow im Bereich Ideengeschichte an der Universität Stockholm. Hannes Kuch forscht zur Philosophie der Anerkennung, zu Theorien der Macht und Gewalt und zur Sozialphilosophie der Ökonomie.