Die Unabsehbarkeit revolutionären Handelns als Herausforderung

  • Termin: Mi., 15. Februar 2017, 18:00 Uhr
  • Leitung: Prof. Dr. Jürgen Manemann
  • Ort: fiph, Gerberstr. 26, Hannover
Fellow-Vortrag VIII: Mareike Kajewski M.A. (Frankfurt/M.)

Für Hannah Arendt sind Revolutionen Neuanfänge, deren Gelingen von ihrer Verbindung mit politischer Freiheit abhängt. Vor diesem Hintergrund stellt der Vortrag die Frage, was revolutionäres Handeln ist. Es geht einerseits darum zu erforschen, auf welche Art revolutionäres Handeln mit Freiheit verknüpft ist. An ausgewählten philosophisch-kritischen Positionen zur Französischen Revolution werden schlaglichtartig die Spannung und Widersprüchlichkeit, die in einem revolutionären Handlungsakt liegen, herausgestellt. Diese Analyse soll andererseits zeigen, was aus ihr generell für politisches Handeln zu lernen ist, d.h. vor welchen Herausforderungen politisches Handeln heute steht. Den Rahmen für die Auffächerung der Problematik liefert Hannah Arendts Ansatz politischen Handelns. Jedes revolutionäre Handeln gründet etwas Neues – eine neue Form oder Gestalt politischer Freiheit –, für das es noch keine Grundlage gibt. Dadurch ist die Dynamik dieses Handelns prekär. Es enthält die Möglichkeit, neue politische Praktiken zu gründen, aber es kann auch eine destruktive und seinen eigenen Gründungen zuwiderlaufende bedrohliche Seite entfalten. Schließlich soll das Ergebnis der Analyse dieser Handlungsdynamik als Herausforderung für gegenwärtige Auffassungen politischen Handelns verstanden werden. Denn, so die These des Vortrags, die Drastik revolutionären Handelns weist auf die grundsätzliche Dynamik politischen Handelns hin, die in den Momenten revolutionären Handelns besonders extrem auftritt. Deshalb ist es entscheidend, dass in einer Demokratie Möglichkeiten für experimentelles politisches Handeln bestehen.

Mareike Christine Kajewski M.A. hat Philosophie, Politikwissenschaft und Germanistik in Köln und Frankfurt am Main studiert. Derzeit promoviert sie an der Goethe Universität Frankfurt am Main zum Thema „Widersprüche revolutionären Handelns“. Forschungsaufenthalte führten sie an die Universiteit van Amsterdam und an die Sorbonne in Paris. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der politischen Philosophie und Theorie, der Sozialphilosophie, der Ethik, der Französischen Philosophie, der Feministischen Theorie und der Ästhetik.