Dr. Sarhan Dhouib

Fellow von November 2016 bis August 2017

Sarhan Dhouib arbeitet seit 2010 an dem Forschungsprojekt „Ethik der Globalisierung“ am Lehrstuhl für praktische Philosophie am Institut für Philosophie der Universität Kassel und seit 2011 an dem Publikationsprojekt „Grundriss der Geschichte der Philosophie – Philosophie in der islamischen Welt. 19. bis 20. Jahrhundert“ (hg.v. U. Rudolph und A. von Kügelgen). Im Sommersemester 2016 nahm er die Gastdozentur „Philosophie im Vergleich der Kulturen“ (mit Schwerpunkt arabisch-islamische Philosophie) an der Universität Bremen wahr. Nach dem Studium der Philosophie an den Universitäten Sfax (Tunesien) und Paris 1 – Sorbonne (Frankreich) wurde er an der Universität Bremen über Schellings Identitätsphilosophie promoviert. 2011 erhielt er den Nachwuchspreis für Philosophie des Goethe-Institutes mit einem Beitrag zur Menschenrechtsdebatte in der gegenwärtigen arabischen politischen Philosophie. Seit 2013 ist er Mitglied der Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA).

Im Rahmen der DAAD-Transformationspartnerschaft initiiert er seit 2011 einen interdisziplinären Hochschuldialog mit arabischen Universitäten (Algerien, Ägypten, Libanon, Marokko und Tunesien) zu Themen der Menschenrechte, Demokratie, Toleranz und Gerechtigkeit. Von 2013 bis 2015 leitet er die deutsch-arabische Nachwuchsforschergruppe „Verantwortung, Gerechtigkeit und Erinnerungskultur“.

Forschungsschwerpunkte: Deutsche klassische Philosophie (insbesondere Schellings Philosophie), klassische und moderne arabisch-islamische Philosophie, Politische Philosophie, Philosophie der Menschenrechte, Interkulturelle Philosophie.

Publikationen (Auswahl): Kultur, Identität und Menschenrechte. Transkulturelle Perspektiven (Hg. 2012), Transkulturalität der Menschenrechte. Arabische, chinesische und europäische Perspektiven (Hg., mit P. Brunozzi und W. Pfannkuche, 2013), Demokratie, Pluralismus und Menschenrechte. Transkulturelle Perspektiven (Hg. 2014), Gerechtigkeit in transkultureller Perspektive (Hg. 2015).

Projekt am fiph

Toleranz und Intoleranz in der arabisch-islamischen Philosophie um 1900

Die Rezeption der arabischen Kultur und Philosophie ist bis heute von einer islamwissenschaftlichen Perspektive dominiert, in der der Islam den Dreh- und Angelpunkt bildet. Für eine transkulturell orientierte Philosophie, die nach Universalisierungsstrategien und interkulturell anerkannten Geltungsprinzipien sucht, wird die Auseinandersetzung mit der Philosophie, ihren Debatten und Schulen im arabisch-islamischen Kulturraum daher zu einer wichtigen Aufgabe.

In meinem Forschungsprojekt möchte ich mich zunächst den Begriffen Toleranz und Intoleranz um 1900 in ihrer philologischen und ideengeschichtlichen Komplexität zuwenden. Dabei werde ich die Entstehung der philosophischen Terminologie zur arabisch-islamischen Toleranz- und Intoleranz-Debatte vor dem Hintergrund der paradigmatischen Übersetzungs- und Transferprozesse sowie der Neubesinnung eigener philosophischer Tradition untersuchen. Ziel ist zu zeigen, wie die Begründung der jeweiligen Begriffe insbesondere im Kontext der Diskussion um Universalismus und Partikularismus verständlich wird.

In einem zweiten Schritt möchte ich die Kritik an Formen der religiösen Intoleranz in zwei exemplarischen Studien zu Texten von Faraḥ Antūn (Farah Antun) und Amīn ar-Rīḥānī (Ameen Rihani) untersuchen. Dabei stehen nicht nur theoretische Werke zur Debatte, sondern ebenso philosophische Romane wie z.B. die sozialphilosophischen Romane von Faraḥ Antūn, die religionskritischen Satiren von Amīn ar-Rīḥānī sowie sein Roman The Book of Khalid. Denn charakteristisch für die arabische Moderne um 1900 ist die Entstehung von philosophischer Literatur, deren Autoren eine kritische und öffentliche Reflexion über Themen wie Freiheit und Gleichheit, Intoleranz und Intoleranz, Kosmopolitismus und Transkulturalität vornehmen.

Die geplanten Untersuchungen münden in eine systematische Auswertung der Toleranz- und Intoleranz-Debatte in transkultureller Perspektive.