Dr. Hannes Kuch

Fellow von Oktober 2016 bis März 2019

Nach einem Studium der Philosophie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre promovierte Hannes Kuch an der Freien Universität Berlin über Hegels Figur von ‚Herr und Knecht‘ und deren Transformationen in der Philosophie und Sozialtheorie (veröffentlicht bei Campus, 2013). Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt ‚Zur Performanz sprachlicher Gewalt‘ (FU Berlin) sowie Stipendiat am Graduiertenkolleg ‚Sklaverei - Knechtschaft und Frondienste - Zwangsarbeit‘ (Universität Trier). Im Anschluss an die Promotion Postdoctoral Research Fellow im Bereich Ideengeschichte am Institut für Kultur und Ästhetik der Universität Stockholm und Lehre an der Universität Magdeburg und der FU Berlin. Zurzeit Postdoc am Institut für Politikwissenschaft, Universität Leipzig.

Forschungsschwerpunkte: Historisch liegt der Schwerpunkt auf dem 19. Jahrhundert, insbesondere Hegel und Marx, und dem 20. Jahrhundert, insbesondere der Kritischen Theorie und dem Poststrukturalismus. Systematisch: Philosophie der Anerkennung und Freiheit, Theorien der Macht und Gewalt, insbesondere der symbolischen Macht und sprachlichen Gewalt, Grundlagen der Sozialkritik, Sozialphilosophie der Ökonomie und politische Theorie des Marktes.

 

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Projekt am fiph

Was heißt ‚liberaler Sozialismus‘?

Die Weltwirtschaftskrise hat den Glauben an die Effizienz des freien Marktes erschüttert, und sie hat sicherlich auch dazu beigetragen, dem Begriff ‚Sozialismus‘ neue Konjunktur zu verleihen, inner-philosophisch wie auch in der breiteren Öffentlichkeit. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt die normativen Grundlagen und die institutionellen Rahmenbedingungen dessen, was John Rawls als ‚liberalen Sozialismus‘ bezeichnet hat: eine Form des Wirtschaftens, in der die kapitalismustypischen Eigenschaften des Marktes überwunden werden, aber politische Grundfreiheiten und demokratische Rechte gesichert sind. Das Projekt zielt darauf ab,  Hegels Konzept der Sittlichkeit für die normative Rechtfertigung und die institutionellen Ausgestaltung eines liberalen Sozialismus fruchtbar zu machen. Mit Hilfe dieses Konzepts lässt sich zeigen, dass es nicht genügt, lediglich den erwirtschafteten Output ex post solidarisch bzw. gerecht umzuverteilen, oder ex ante eine Angleichung der Aus­gangsbedingungen des Wirtschaftens vorzunehmen; worauf es vor allem ankommt, ist der angemessene Vollzug wirtschaftlichen Handelns, der anspruchsvollen Normen der Solidarität genügen muss.

Im liberalen Sozialismus wird dem Markt als Koordinationsmechanismus nach wie vor eine wichtige Rolle eingeräumt. Allerdings soll der Markt konstitutiv transformiert werden, so dass dessen ‚sittliche‘ Mängel signifikant reduziert werden, etwa was die unfaire Ausnutzung von Machtvorteilen, die Abwälzung von Kosten auf unbeteiligte Dritte oder die Begünstigung von feindseligen Haltungen in Konkurrenzbeziehungen betrifft. Der Marktsozialismus zielt nicht einfach nur auf eine bessere ordnungspolitische oder sozialstaatliche ‚Einhegung‘ des Marktes, sondern auf dessen konstitutive Transformation: Es geht darum, den Markt ‚von innen heraus‘ zu sozialisieren, durch eine Änderung der konstitutiven Regeln und eine Stärkung der internen Regulationsmechanismen. Hierfür werden spezifische institutionelle Veränderungen untersucht, die unter anderem die genossenschaftliche Unternehmensform, das bedingungslose Grundeinkommen und einen demokratisch ausgestalteten Korporatismus umfassen.